Parodontologie

Parodontologie

Die Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnhalteapparates. Dieser besteht aus dem Zahnfleisch, den Fasern, die den Zahn in der Knochentasche (Alveole) halten und dem Wurzelzement, in dem diese Fasern gelagert sind. Eine Entzündung betrifft immer eine oder mehrere Komponenten. Die Entzündung wird zumeist ausgelöst durch Beläge, die sich zunächst im sichtbaren Bereich des Zahnes ablagern (Plaque). Wenn sich diese Plaque verfestigt, bilden sich nicht entfernbare Konkremente (Zahnstein), die wiederum den Zahnhalteapparat zerstören. Dies bedeutet, dass eine sinnvolle Parodontitistherapie immer mit einer Prophylaxe beginnen muss. Ohne Prophylaxe und nachfolgendes Recall, bei dem die Beläge professionell entfernt werden, ist eine Parodontitistherapie nicht erfolgreich.

Unsere Praxis ist auf die Behandlung von Parodontalerkrankungen spezialisiert. Die Dres. Rehberg, Tolan und Schenk sind stets bemüht, den neuesten Stand der Forschung in die tägliche Praxis umzusetzen. So können wir unseren Patienten das gesamte Spektrum der modernen Parodontaldiagnostik- und -therapie anbieten:

  • Prophylaxe und Dentalhygiene mit qualifiziertem Fachpersonal
  • Bakteriologische und genetische Tests zur Parodontitisdiagnostik
  • Schonende Laserbehandlung zur wirksamen Dekontamination der Zahnfleischtaschen
  • Chirurgische PAR-Therapie mit GBR/GTR-Technik zur Knochenregeneration

Entstehung

Unzureichende Mundhygiene: Der weitaus grösste Teil der Parodontalerkrankungen liegt hier begründet. Bakterielle Zahnbeläge führen zur Gingivitis, die sich dann zur Parodontitis ausweitet. Vor allem, wenn noch weitere Risikofaktoren hinzukommen, spielt die Mundhygiene häufig die ausschlaggebende Rolle.

Rauchen: Erst seit einigen Jahren weiss man, dass starke Raucher (10 oder mehr Zigaretten am Tag) ein markant höheres Risiko haben, an Parodontitis zu erkranken als Nichtraucher. Auch schreitet die Krankheit bei ihnen häufig schneller voran und spricht schlechter auf die Behandlung an.

Genetische Veranlagung: Schon lange ist bekannt, dass bestimmte Menschen trotz guter Mundhygiene an schweren, fortschreitenden Parodontalerkrankungen leiden, während andere selbst bei massiven Bakterienkonzentrationen im Mund gesund bleiben. Dieses Phänomen blieb lange rätselhaft. Heute wissen wir, dass etwa 30% der Bevölkerung eine Veranlagung zur Parodontitis in der genetischen Substanz verankert hat. Mit einem Test können wir diese heute ohne grossen Aufwand feststellen.

Stress: Viele Studien zeigen eine Zusammenhang zwischen Parodontitis und Stress, der wohl auf die stressbedingte Schwächung des Immunsystems zurückzuführen ist.

Schwangerschaft: Durch massive hormonelle Umschwünge besteht eine ausgeprägte Tendenz zur Gingivitis und Parodontitis.

Allgemeinerkrankungen: Hier ist vor allem ein mit hohem Blutzuckerspiegel einhergehender Diabetes zu nennen, der als Risikofaktor zu Buche schlägt, aber auch bestimmte Formen der rheumatoiden Arthritis und andere Krankheiten des rheumatischen Formenkreises, sowie angeborene oder erworbene Immundefizite (z.B. AIDS)

Medikamente: Diverse Antiepileptika oder blutdrucksenkende Mittel können zu Zahnfleichwucherungen führen mit in der Folge schlecht zu reinigenden Zahnfleischtaschen.

Folgen

Hier müssen wir unterscheiden zwischen (1.) den Folgen für das Kauorgan und (2.) Auswirkungen auf den Gesamtorganismus.

1. Der Zahnfleischrückgang bringt zunächst ästhetische Probleme mit sich, freiliegende Zahnhälse und Wurzelanteile neigen zu Sensibilität und Karies. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu Zahnlockerung und -wanderung, später zu Zahnverlust. Die prothetische Versorgung ist dann oft problematisch, weil die verbleibenden Zähne nicht belastbar sind und nicht als Brückenpfeiler in Frage kommen. Eine Implantatbehandlung ist dann meist die einzige Möglichkeit, die volle Kaufunktion zu erhalten.

2. Aufsehen erregt haben neueste gesicherte Forschungsergebnisse, nach denen an Parodontitis erkrankte Personen ein zwei- bis dreifach höheres Risiko haben, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Als Ursache der Blutgerinnsel wurde eine Ausschwemmung in die Blutbahn der in den Zahnfleischtaschen angesiedelten anaeroben Parodontitiskeime nachgewiesen. Erwiesen ist ebenfalls, dass schwangere Frauen mit ausgeprägter Parodontitis ein achtfach höheres Risiko einer Früh- oder Fehlgeburt haben.

Parodontitis erkennen

Da die Erkrankung meist chronisch und schmerzlos verläuft, sind die Frühsymptome oftmals nicht sehr charakteristisch. Ein wichtiges Alarmsignal kann Zahnfleischbluten beim Zähneputzen sein, das häufig auf eine Gingivitis hindeutet. Rötung und Schwellung des Zahnfleisches, sowie Mundgeruch können ebenfalls wichtige Hinweise sein. Kommt es zur Lockerung oder Wanderung von Zähnen, so ist die Parodontitis meist schon weit fortgeschritten. Die eigentliche Diagnose der Parodontalerkrankungen kann aber nur beim Zahnarzt erfolgen.

Die Methoden der Wahl sind die Zahnfleischtaschenmessung und die Röntgenaufnahme. Bei der Taschenmessung (sie ist praktisch schmerzlos und wird in unserer Praxis bei allen Patienten regelmäßig durchgeführt) wird eine kalibrierte Mess-Sonde an sechs verschiedenen Stellen um jeden Zahn herum in die Zahnfleischfurche eingeführt. Beim gesunden Zahnfleisch beträgt die Eindringtiefe 1 bis 2 mm. Werte über 4 mm weisen meist auf eine bereits fortgeschrittene Parodontitis hin.

Heilung

Die erste Behandlungsphase (Initialtherapie) zielt darauf ab, die Mundhygiene zu verbessern. Die Dentalhygienikerin entfernt Zahnstein und Beläge, poliert die Zahnoberflächen und erteilt eine individuelle Beratung, wie und mit welchen Hilfsmitteln die tägliche Mundhygiene optimiert werden kann. Bei guter Mitarbeit des Patienten führt die Initialbehandlung meist schon zu einer deutlichen Verbesserung des Befundes; war nur das Zahnfleisch betroffen (Gingivitis), so kann die Entzündung bei guter Mundhygiene folgenlos abheilen.

Bei der folgenden Kontrollsitzung nach 1 bis 3 Monaten werden erneut die Taschentiefen gemessen und das weitere therapeutische Vorgehen geplant. Wenn weiterhin tiefe Taschen festgestellt werden, besteht der nächste Behandlungsschritt meist im sogenannten “Deep Scaling”, d.h. ein gründliches Ausschaben der unter dem Zahnfleischniveau gelegenen Taschen und Wurzeloberflächen. Diese Massnahme wird ebenfalls von der Dentalhygienikerin in örtlicher Betäubung durchgeführt und ist somit schmerzfrei.

Antibiotika-Therapie

Dieser neue Ansatz zur Bekämpfung der Zahnbetterkrankungen hat in den letzten Jahren ständig an Bedeutung gewonnen. Er geht davon aus, dass es einige genau bekannte und definierte Bakterienarten sind, die zur Parodontitis führen. Diese können wir mit einem speziell dafür entwickelten Testverfahren identifizieren.

Mit sterilen Papierspitzen werden Proben aus den tiefen Zahnfleischtaschen entnommen und an ein spezialisiertes Labor gesandt. Bereits nach wenigen Tagen erhalten wir eine detaillierte Analyse über Anzahl und Art der Bakterien, die die Zahnfleischtaschen besiedeln. Nun können wir gezielt ein Antibiotikum auswählen, das besonders wirksam gegen die im Test festgestellten Keime ist. Je nach Befund kann auch eine Kombination von zwei verschiedenen Präparaten nötig sein, um die Wirkung zu optimieren. Die Antibiotika werden als Tabletten über einen Zeitraum von etwa 2 Wochen eingenommen.

Neueste Studien signalisieren eine hohe Erfolgsquote bei hartnäckigen bzw. rezidivierenden Parodontalerkrankungen, die gleichzeitig antibiotisch und mittels lokaler Massnahmen (z.B. Deep Scaling) therapiert werden. In vielen Fällen kommt es zu einer dauerhaften Elimination der aggressiven Parodontitiskeime und somit zu einer Ausheilung von Zahnfleisch und Zahnhalteapparat.

Gen-Test

Warum gibt es Patienten, die trotz guter Mundhygiene an Parodontitis erkranken, und andere, deren Zahnhalteapparat auch massiven Zahnstein- und Plaqueansammlungen standhaft widersteht? Wieso treten Parodontalerkrankungen familiär gehäuft auf?

Heute weiss die Wissenschaft endlich eine Antwort auf diese Fragen: Etwa 30% der Bevölkerung sind genetisch vorbelastet. Bei ihnen besteht ein stark erhöhtes Risiko, an Parodontitis zu erkranken. Mit einer parodontalen Bakterienidentifizierung (ein schmerzloser Abstrich im Munde genügt) können wir diese Personen jetzt mühelos identifizieren. Dies kann in vielen Fällen hilfreich sein, um diese besonders anfälligen Risikopatienten besonders engmaschig kontrollieren zu können. Für sie ist eine perfekte Mundhygiene besonders wichtig und weitere Risikofaktoren, besonders das Rauchen, sollten um jeden Preis vermieden werden.

Chirurgische Parodontaltherapie

Während man bis vor wenigen Jahren der invasiven chirurgischen Parodontalbehandlung den Vorzug gab, ist man heute wesentlich zurückhaltender mit dem Skalpell. Zunächst erfolgt in jedem Fall eine intensive dentalhygienische Vorbehandlung. Nur wenn nach Anwendung aller konservativen Behandlungsmethoden immer noch tiefe Zahnfleischtaschen festgestellt werden, muss die operative Therapie erwogen werden.

Ziel der chirurgischen Eingiffe ist die Wurzelglättung und Curettage unter Sicht sowie die Beseitigung von Bakterienschlupfwinkeln (auch mit Laserunterstützung) und tiefen Zahnfleisch- und Knochentaschen. Mit der modernen Technik der GBR (Guided Bone Regeneration) bzw. GTR (Guided Tissue Regeneration) ist es erstmals möglich, nicht nur die Parodontitis zu stoppen, sondern auch verloren gegangenen Knochen wieder aufzubauen.

Regeneration

Durch die Fortschritte der Biotechnologie stehen heute parodontale Wachstumsfaktoren als gebrauchsfertiges Medikament zur Verfügung. Diese enthalten bioaktive Proteine, die eine beschleunigte Regeneration von verloren gegangenem parodontalen Gewebe (Knochen, Fasern, Zahnfleisch) bewirken. Nach der chirurgischen Revision der Zahnfleisch- und Knochentaschen wird das Mittel appliziert und das Zahnfleisch dicht vernäht. Bereits nach wenigen Wochen lässt sich oft schon eine Gewebeneubildung nachweisen.

Sowohl GTR/GBR als auch die Therapie mit Wachstumsfaktoren sind heute wissenschaftlich anerkannte Methoden, die in unserer Praxis routinemässig angewandt werden.Parodontaloperationen werden normalerweise schmerzlos in Lokalanästhesie durchgeführt. Bei ängstlichen Patienten kann die Analgosedierung hilfreich sein.

Nachsorge

Nach der aktiven Behandlungsphase wird der Parodontalpatient in der Nachsorge (geläufig ist auch der amerikanische Begriff “Recall”) regelmässig zu Kontrollsitzungen bei der Dentalhygienikerin aufgeboten. Je nach Schwere des Krankheitsbildes, individueller Mundhygiene und parodontaler Resistenz kann der Abstand zwischen zwei Recall-Sitzungen 2 bis 6 Monate betragen. Langzeitstudien belegen, dass die professionelle Betreuung und Überwachung des Parodontalpatienten nach der Behandlung den eigentlichen Schlüssel zur Aufrechterhaltung des Behandlungsresultates darstellt.

Gemeinsam mit unseren überweisenden Kollegen versuchen wir, diese Erkenntnis umzusetzen, indem alle behandelten Parodontalpatienten einer besonders engmaschigen und detaillierten Kontrolle mit regelmässiger Erhebung der Mundhygieneindices und Taschenmessung unterliegen. Dabei erfolgt die Nachsorge im Regelfall durch die überweisenden Kollegen.

Mukogingivale Chirurgie

Ein schönes Lächeln entsteht aus einem harmonisches Miteinander von Zähnen und Zahnfleisch. Wenn sich z.B. durch Parodontalerkrankungen das Zahnfleisch zurückzieht, kann dies eine empfindliche Verschlechterung des kosmetischen Gesamtbildes bedeuten. Mit mikrochirurgischen Techniken gelingt es heute in vielen Fällen, Abhilfe zu schaffen. Gelegentlich kann auch der gegenteilige Effekt störend wirken: Das Zahnfleisch bedeckt einen zu grossen Anteil der Zahnkronen und lässt sie zu kurz erscheinen. Man spricht vom sogenannten Gummy smile (Zahnfleischlächeln).

Auch in solchen Fällen kann die ästhetische Parodontalchirurgie Abhilfe schaffen. Mit z.B. dem Laser wird das überschüssige Gewebe schonend und schmerzfrei entfernt und eine harmonische Zahnform wiederhergestellt. Manchmal sind Parodontitis und Knochenschwund jedoch schon so weit fortgeschritten, dass eine chirurgische Rekonstruktion des Zahnfleisches nicht mehr möglich ist. Oft resultiert dann aus dem Defekt nicht nur eine ästhetische Beeinträchtigung, sondern auch eine phonetische Behinderung (Aussprache gestört).

Unsere Überweiser empfehlen Patienten bei derart grossen Defekten eine Gingivaepithese (sogenannte Zahnfleischepithese oder Zahnfleischmaske). Sie ist oft die einzige Lösung. Nach Abdrucknahme wird im Labor eine hauchdünne zahnfleischfarbene Maske angefertigt, die den Zähnen ganz präzise anliegt. Der Tragekomfort dieser herausnehmbaren Epithese ist für den Patienten sehr gut. Auch werden Ästhetik und Phonetik entscheidend verbessert.

Fragen und Antworten

Ist es möglich, dass ich an Parodontitis leide, obwohl ich keinerlei Beschwerden habe?
Die Parodontitis verläuft im Gegensatz zur Karies meist völlig schmerzlos. Es gibt wohl häufig Anzeichen, wie z.B. Zahnfleischbluten. Aber selbst das ist nicht in allen Fällen ein zuverlässiges Symptom. Vor allem bei Rauchern, bei denen die Durchblutung der Mundschleimhaut deutlich reduziert ist, tritt oft trotz schwerer Parodontitis kein merkliches Zahnfleischbluten auf. Schmerzhaft wird die Erkrankung erst dann, wenn Sie schon sehr weit fortgeschritten ist. Dann können sich Vereiterungen (Abszesse) im Kiefer und am Zahnfleisch bilden. Bei starker Lockerung können die Zähne zudem beim Beissen Schmerzen verursachen.

Ich habe keinen sichtbaren Zahnfleisch-Schwund. Ist es trotzdem möglich, dass ich Parodontitis habe?
Bei der Parodontitis kommt es in jedem Fall zu einem Abbau des Zahnhalteapparates, also Knochen, Fasern und Zahnfleisch. Die Entzündung bewirkt aber gleichzeitig auch eine Schwellung des Gewebes, so dass ein sichtbarer Zahnfleischrückgang meist erst im fortgeschrittenen Stadium auftritt.

Ist eine Parodontalbehandlung nicht sehr schmerzhaft? Ich habe gehört, dass dabei “alles aufgeschnitten” werden muss.
Alle Parodontalbehandlungen, von der dentalhygienischen Vorbehandlung bis hin zur chirurgischen Therapie, sind mit den üblichen örtlichen Betäubungen völlig schmerzlos. Durch moderne Verfahren können wir heute in vielen Fällen auf operative Eingriffe ganz verzichten.

Wird die Behandlung einer Parodontitis von der Krankenkasse übernommen?
Die Krankenpflege-Leistungsverordnung des Krankenversicherungs-Gesetzes (KVG) sieht eine Leistungspflicht der Krankenkassen im zahnärztlichen Bereich nur bei angeborenen oder unvermeidlichen Erkrankungen vor. Unter den Parodontalerkrankungen sind als solche nur die seltenen Formen der bei Kindern und Jugendlichen auftretenden präpubertären und juvenilen Parodontitis definiert. Alle anderen Parodontalbehandlungen werden von der gesetzlichen Krankenkasse nicht übernommen.

Ist Parodontitis heilbar?
Dank der modernen Diagnose- und Therapiemethoden, über die wir heute verfügen, kann die Zerstörung des Zahnhalteapparates in den meisten Fällen gestoppt werden.

Ich habe häufig Mundgeruch. Kann das einen Zusammenhang mit meinem Zahnfleisch haben?
Über 80% aller Fälle von Mundgeruch haben eine orale d.h. im Mund befindliche Ursache. Parodontalerkrankungen spielen dabei eine wichtige Rolle, da bei der bakteriellen Zersetzung von Proteinen in den Zahnfleischtaschen übelriechende Gase freigesetzt werden. Patienten mit Mundgeruch sollten daher zuerst den Zahnarzt aufsuchen.